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Barbara Frischmuth – Museum für Europäische Gartenkunst Benrath

ISBN: 978-3-934268-67-8
Seiten: 48
Preis: 9,90 €

Das Buch können Sie hier erwerben.

Rezensionen
WZ, 26.03.09:

„Gartenkunst aus der Sicht eines Hasen … eine anarchische Kunstbetrachtung.“

RP, 14.04.09:

„Ein Hase führt durchs Schloss … Ganz schön frech, dieser Hase … eine lockere, hintersinnige, amüsante Fabe …“

NRZ, 20.03.09:

„… wunderbar poetisch, eine philosophische Parabel“

Auszug

Sagte der Hase ...

Dialoge und Randbemerkungen einer Zufallsbekanntschaft

Das ist der Festsaal mit der magischen Tapete!

Die Dame des Hauses bat mich, auf sie zu warten. Sie sei in Anordnungen unterwegs, würde aber bald wiederkommen.

Wenn Sie Langeweile haben, gehen Sie näher ran, es wird Ihnen Spaß machen!

Der Hase stieg aus seiner Kiste, aus den Ranken, aus der Tapete.

Nanu?!

Mein Name ist Hase, sagte der Hase. Leberecht Hase. Er zog seine Scharte leicht auseinander und lächelte sein gelbes Hasenlächeln.

Gerade dass ich keinen Knicks machte: Gestatten, Autor beziehungsweise Autorin. Name steht am Ende des Textes. Ich hätte genauso gut nichts sagen können.

Leberecht, du verstehst? Meine Leber ist nämlich noch echt, sagte der Hase und lachte ein Lachen, das wie ein Knirschen klang.

Und die Leber von dem da?

Der Hase trug eine Stange über der Schulter, von der ein toter Hase baumelte. Nicht mehr, sagte er, der ist präpariert.

Sozusagen als Memento Mori?

Wenn das ’ne neue Art von Mohrrübe sein soll: ne! Ich bin durch die Lappen gegangen, ganz ohne Möhre. Und das hier war ein Onkel von mir. Der ist auch durch die Lappen gegangen, aber nicht mehr weit gekommen, darum habe ich ihn präparieren lassen.

Zur ewigen Erinnerung?

Schon wegen der Geruchsentwicklung, sagte der Hase. Aber was sollen die Formalitäten? Leberecht, sagte ich doch schon. Schlag ein, Schwester! Hier meine Hasenpfote!

Er legte sie so geschickt in meine Hand, dass ich zwar seine Krallen spürte, jedoch ohne davon auch nur im Geringsten geritzt zu werden.

Küsschen, rief der Hase plötzlich, und bevor ich wusste, was und wie mir geschah, wischten seine Schnurrbarthaare und seine langen Hasenohren über meine Wangen, einmal links, einmal rechts.

Und der Onkel?

Sei nicht so hasenschreckig und spuck’s endlich aus! Sag einfach: Und dein Onkel, Leberecht?

Also gut: Und dein Onkel? Auf die Duzerei musste ich mich zwangsläufig einlassen, aber ihn auch noch mit Leberecht anzureden, das ging mir zu weit. Für mich war und blieb der Hase ein Hase.

Mein Onkel Isidor war ja kein heuriger Hase mehr, als ihn der Schlag traf.

Und wieso traf ihn der Schlag? [...]