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Literarischer Sommer: Jost Oomen, "Ein volles Leben"

Autorenfoto

Theo Engel ist in den Niederlanden als Sterbehilfearzt tätig. Fast jede Woche verabreicht er Menschen, die unzumutbar und ausweglos leiden, die erlösende Spritze. Doch der Beruf zehrt an ihm, Theo kämpft mit Depressionen und hadert mit seiner Aufgabe. Eines Tages erhält er einen Brief: Darin bittet ihn ein zwar nicht mehr junger, aber vollkommen gesunder Mann um Sterbehilfe. Gerrit Blauw, Anfang 70, möchte sterben, weil er sein Leben für vollendet hält. Um den Arzt zu überzeugen, ihm zu helfen, erzählt Gerrit Theo von der Schönheit, die sein Leben erfüllt hat. Er erzählt von seiner Jugend in Friesland, wo er bei einer Feier Saartje kennenlernte und sich Hals über Kopf verliebte. Obwohl Saartje eine Beziehung mit seinem Freund Douwe begann, blieb sie für Gerrit der wichtigste Mensch, auch als er zum Studium nach Groningen ging. Er erzählt von seiner Arbeit für das Theater, und wie er, um die Aufmerksamkeit seiner großen Liebe Jahrzehnte später auf sich zu ziehen, für eine Produktion eine Giraffe auf die Nordseeinsel Terschelling verschiffte. Und zum ersten Mal beginnt Theo sich zu fragen, ob der Mensch nicht nur ein schönes Leben, sondern auch einen schönen Tod verdient hat. In zärtlichen Bildern erzählt Joost Oomen von einem Mann, der sein Leben auf eine schöne Weise beenden möchte. Und von einem anderen, der der Hässlichkeit des Todes täglich in die Augen sehen muss. Gemeinsam nähern sie sich zutiefst menschlichen Fragen: Womit wollen wir unser Leben füllen? Und wie wollen wir sterben?
Joost Oomen, geboren 1990, ist Schriftsteller, Lyriker, Theatermacher und Musiker. Sein Debütroman "Het Perenlied" wurde für den Anton-Wachter-Preis nominiert, sein aktueller Gedichtband "Lievegedicht" erlebt Nachauflage um Nachauflage. Oomen schreibt Kolumnen für verschiedene Zeitungen, tritt regelmäßig im Fernsehen und im Radio auf und begeistert auf dem von ihm mitbegründeten und kuratierten Instagram-Kanal "poezieiseendaad" annähernd 30.000 Follower für Lyrik. "Ein volles Leben" ist sein zweiter Roman.
Moderation: Maren Jungclaus, Literaturbüro NRW 

Foto (c): Esther Lutgendorff

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