| |

















|
Bernd Schroeder
geb. 1944, seit 1987 in Köln. Autor zahlreicher TV- und Hörspiele, Grimmepreis, Bundesfilmpreis.
Seit 1993 drei Romane: Versunkenes Land (1993), Unter Brüdern (1995), Die Madonnina (2001)
Zuletzt:
(mit Elke Heidenreich): Rudernde Hunde (2002)
Isolde Ohlbaum, Pündterplatz 4, 80803 München
Über Oskar Maria Graf: Das Leben meiner Mutter
Am 27. September 1934 spricht der Schriftsteller Oskar Maria Graf in Georgien in einer
Rede von seiner Mutter:
"Meine Mutter ist eine echte Bäuerin. Sie arbeitet für das Leben und lebt für
die Arbeit, sie ist gar nichts weiter als eine Mutter vieler Kinder. Sie kennt
nichts von der Welt und weiss nichts von der Politik...."
Am gleichen Tag stirbt Therese Graf in Berg am Starnberger See siebenundsiebzigjährig.
Mit seinem schönsten Roman, "Das Leben meiner Mutter", setzte ihr der Sohn ein Denkmal.
Graf, der den Roman im amerikanischen Exil verfasste, beschreibt das einfache Leben einer
einfachen Frau in einem oberbayerischen Dorf. Ein Leben zwischen Geburt und Tod, das von
Arbeit, Pflichterfüllung und tiefer Religiosität erfüllt ist. Liebevoll zeichnet Graf
dieses Porträt seiner Mutter, und er sagt selbst später einmal: "Mag sein, daß damit
das Leben aller Mütter in allen Ländern erzählt worden ist."
Der Roman ist auch eine Familien- und Dorfchronik. Und er ist zudem ein
Selbsporträt des Autors, sozusagen der erste Teil einer Autobiographie,
die in "Wir sind Gefangene" fortgeschrieben ist.
Ich liebe und empfehle "Das Leben meiner Mutter", weil es kraftvoll,
leidenschaftlich, zärtlich und liebevoll und nie heimattümelnd ist.
Graf ist mit Therese Graf eine Frauenfigur gelungen, wie Garcia Márquez
mit Ursula in "Hundert Jahre Einsamkeit".
Selten hat jemand so einfühlsam ein Milieu beschrieben, aus
dessen Enge er selbst ausbrechen musste, um zu überleben. Man
spürt in diesem Roman, dass die unbestechliche Geradlinigkeit dieser
Mutter dem Sohn die Kraft gegeben hat, sich später gegen die Nazihorden zu wehren.
Als die Nazis die Bücher der Schriftsteller verbrannten, ihn aber vergaßen, forderte
Graf in einem Flugblatt: "Verbrennt mich auch!"
|
|