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"Was macht eigentlich das Literaturbüro?" Bericht über die Akltivitäten im Jahr 1999 Düsseldorf, den 04.04.2000 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Literatur, gerne möchten wir Ihnen die Aktivitäten des Literaturbüros im Jahr 1999 kurz vorstellen. Auch in diesem Jahr haben wir uns wieder fünf Arbeitsschwerpunkten gewidmet: - der Vorstellung europäischer Autorinnen und Autoren - der Präsentation von Literatur in ungewöhnlichen Zusammenhängen - der Förderung der regionalen Literaturszene - der Verbesserung der literarischen Infrastruktur - der Weiterbildung und Beratung I. Vorstellung europäischer Autorinnen und Autoren In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern ist es uns gelungen, in der Landeshauptstadt eine Auswahl aus dem breiten Spektrum der europäischen Literatur zu präsentieren. 1. Zur Frankfurter Buchmesse haben wir, zusammen mit dem Heinrich-Heine-Institut und der Buchhandlung Rudolf Müller und mit Unterstützung des Kulturamtes, Autorinnen und Autoren aus dem Gastland Ungarn eingeladen; es lasen György Dalos, Mihály Kornis, Imre Kertész und die Bachmann-Preisträgerin Terésia Mora. 2. Tschechische Schriftstellerinnen und Schriftsteller trafen sich beim Ost-West-Forum mit deutschen Kollegen; u.a. lasen und diskutierten Herta Müller und Jan Trefulka, Radek Friedrich und Wulf Kirsten, Lenka Prochazkova und Andreas Mand. Das Literaturbüro war bei dieser Veranstaltung Partner von Gerhart-Hauptmann-Haus, Heinrich-Heine-Universität und Kulturamt. 3. Puschkins 200. Geburtstag war Anlaß für Düsseldorf, den in der Partnerstadt Moskau geborenen Dichter mit mehreren Veranstaltungen zu ehren. Mit Hilfe einer Arbeitsgruppe, zu der das Heinrich-Heine-Institut, die VHS, der Grupello-Verlag, der Deutsch-Russische Freundeskreis Kontakty und das Literaturbüro gehörten, konnte ein umfangreiches Programm mit Festvortrag, Symposion, Lesungen und Gesprächen russischer und deutscher Autoren realisiert werden. 4. Das Literaturbüro gehörte neben den Stadtbüchereien, der Universität und dem Europäischen Übersetzerkollegium Straelen zu einer Arbeitsgruppe, die ein umfangreiches Begleitprogramm zu der Ausstellung "Literarische Wegbereiter Europas" in der Zentralbibliothek konzipierte. Im Mittelpunkt stand die Arbeit der literarischen Übersetzer. 5. Daneben fanden noch einzelne Lesungen mit europäischen Autoren statt, so mit Peter Bichsel und Lars Gustafsson. In beiden Fällen war die Buchhandlung Literatur bei Rudolf Müller Kooperationspartner, Unterstützung erhielten wir von Pro Helvetia und der Schwedischen Botschaft. II. Präsentation von Literatur in ungewöhnlichen Zusammenhängen Wir haben erneut Literatur an Orten und in Medien vorgestellt, wo sie üblicherweise nicht anzutreffen ist, um so neue Leserkreise zu erschließen. 1. Unsere "literarische Rheinfahrt" im Rahmen des Bücherbummels fand auch in diesem Jahr großen Anklang. An Bord des Schiffes waren neben den 400 Gästen die prämiierten NachwuchsautorInnen Felicitas Hoppe, John von Düffel und Christoph Peters. Dazu gab es Lesetips von Düsseldorfer Kritikern und Jazzmusik. Dank an die Sponsoren: Kulturamt, Rheinische Post, Stadtwerke, Stiftung Kunst und Kultur. 2. Beim Fest "Kultur in Bewegung" hat das Literaturbüro gleich mit drei städtischen Partnern kooperiert: im Stadtmuseum präsentierten wir Hans Bender mit seiner Autobiographie, in der Mahn- und Gedenkstätte Karin Hempel-Soos mit Lyrik, in den eigenen Räumen konnten wir eine vom Theatermuseum erstellte Ausstellung von Textbüchern zeigen. 3. Durch die Vermittlung des Literaturbüros erscheinen seit Anfang 1999 in der Obdachlosenzeitschrift fifty-fifty monatlich Originalbeiträge renommierter deutschsprachiger Autorinnen und Autoren (u.a. Günter Kunert, Helmut Krausser, Ingo Schulze). Besonders erfolgreich war die großformatige Plakatie-rung des Gedichtes von Robert Gernhardt auf über 300 Düsseldorfer Litfaßsäulen. Im Herbst wurden zwei Autoren in die Suppenküche des Franziskanerklosters zu Lesungen eingeladen; unterstützt wurden diese Projekte von den Stadtwerken Düsseldorf, der Firma Zacharias Außenwerbung und dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Stadtentwicklung, Kultur und Sport (MASSKS). 4. Im Rahmen des Altstadtherbstes haben wir unter dem Titel "Die Vorleser" erneut Düsseldorfer Prominente (u.a. Joachim Erwin und Marlies Smeets) mit ihren Lieblingsbüchern präsentiert. 5. Die Stadt Lage-Hörste hat auch dieses Jahr wieder auf Vorschlag des Literaturbüros eine "Kurgastdichterin" eingeladen, diesmal die Kölner Satirikerin Ulla Lessmann. 6. Als Auftaktveranstaltung für die langfristige Kooperation mit der Tonhalle hat das Literaturbüro einen Rezitationsabend über Tyrannei und Revolution im 19. und 20. Jahrhundert gestaltet. 7. Im Rahmen der Afrika-Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen fanden dort erneut zwei Lesungen statt: die nigerianische Schriftstellerin Toyin Adewale las aus ihren Werken, der Schauspieler Bernd Hahn stellte Texte europäischer Afrikareisender vor. 8. Besonders erfolgreich war unsere innovative Reihe "Korrespondenzen". Die Vielfalt und Qualität der niederrheinischen Museen war für uns Anlass, nach Schreibenden zu suchen, deren Texte zu den ständigen Sammlungen oder zu Sonderausstellungen in einem spannungsvollen Verhältnis stehen. Im Neanderthal-Museum, im Kurhaus Kleve, im Regionalmuseum Xanten, im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum und auf Schloss Moyland fanden Lesungen statt, u.a. mit Gisbert Haefs, Burkhard Spinnen, Hans Georg Bulla und Helga Ruebsamen. Das von Thomas Hoeps geleitete Projekt wurde vom Landschaftsverband Rheinland, dem MASSKS und den beteiligten Museen unterstützt. 9. Ungewöhnlich war sicher auch der Ort, an dem das Literaturbüro das Geburtstagskind des Jahres feierte: von uns angesprochene Künstler, Wissenschaftler und Politiker (u.a. Peter Rühmkorf, Carl-Friedrich von Weizsäcker und Norbert Blüm) stellten ihre Lieblingstexte von Goethe vor, und zwar im Internet (mit Hilfe von RP-Online). III. Förderung der regionalen Literaturszene 1. Im Herbst organisierten wir erneut die "Niederrheinischen Literaturkonzerte"; preisgekrönte junge Autoren vom Niederrhein und aus den Niederlanden gehen gemeinsam mit einem international renommierten Musiker auf Tour, um dem Publikum in der Region ein Gesamtkunstwerk vorzuführen. Torsten Baßfeld, Robert Steegers und Tonnus Oosterhoff traten gemeinsam mit Edwin Alexander Buchholz auf Schloss Moyland sowie in Grevenbroich, Kempen, Krefeld und Wesel auf. Neben den beteiligten Städten haben sich auch der Landschaftsverband Rheinland und das MASSKS an den Kosten beteiligt. 2. Zusammen mit dem zakk veranstaltete das Literaturbüro die "1. Düsseldorfer Dichternacht"; in dichter Folge stellten zwei Dutzend Autorinnen und Autoren sich und auch einander dem Publikum vor. 3. Am selben Ort fand monatlich das "Trio litterario" statt; jeweils drei Schreibende hatten einen Abend lang Gelegenheit, sich den Literaturinteressierten zu präsentieren. Ab Januar 2000 wird diese Veranstaltung im "Schnabelewopski" angeboten. 4. Nach längerer Pause haben wir mit Unterstützung des Kulturamtes das Literaturtelefon mit neuem Konzept gestartet. Im monatlichen Wechsel sind unter der Nummer 011510 Lyrik und Prosa zu hören; neu ist, dass die Werke des jeweiligen Autors bzw. der jeweiligen Autorin des Monats auch in der Stadtbücherei ausleihbar sind und im Internet sowie im Literaturkalender (s. auch Punkt IV) nachgelesen werden können 5. In Zusammenarbeit mit der Clara-Schumann-Musikschule und dem Kinder- und Jugendtheater entstand das Theaterstück "Krach in Alphabetanien". Das Literaturbüro hatte dem Autor Martin Baltscheit vorgeschlagen, ein Stück zu schreiben, in dem Buchstaben lebendig werden und so schon die kleinsten Theaterbesucher erleben, dass der Umgang mit Lettern Spaß machen kann. Demnächst soll dieses Projekt, mit wechselnden Stückeschreibern aus Düsseldorf, fortgeführt werden. IV. Verbesserung der literarischen Infrastruktur Seit Mai erstellt das Literaturbüro einen Literaturkalender. Er dokumentiert monatlich so vollständig wie möglich die Vielfalt der literarischen Aktivitäten in der Landeshauptstadt: Lesungen, Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen. In manchen Monaten sind dies bis zu 90 Termine. Der Kalender erscheint in einer Auflage von 5.000 Exemplaren und liegt zum kostenlosen Mitnehmen an 80 Stellen im Stadtgebiet aus. Wir verstehen diesen Kalender nicht nur als Service für das lesungshungrige Publikum, sondern auch als Förderung für die Autoren und Veranstalter, auf deren Termine wir hinweisen. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich durch Anzeigen. Ab Sommer 2000 werden wir den Literaturkalender (gegen Begleichung der Kosten) auch postalisch an alle Interessierten versenden können. V. Weiterbildung und Beratung In Zusammenarbeit mit den Literaturbüros in Detmold, Gladbeck und Unna erstellen wir jährlich ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm für Autorinnen und Autoren. Workshops und Tagesseminare bieten die Möglichkeiten, sich auf sehr unterschiedlichen Gebieten zu professionalisieren. Unser Büro hat im Jahr 1999 Weiterbildungsseminare für Schreibwerkstättenleiter angeboten, darüber hinaus auch Stimm- und Sprechschulung und einen Workshop für Drehbuchautoren. Das Programm aller Büros wird in einem Faltblatt aufgeführt, das jährlich im Februar erscheint. Ein Schwerpunkt der täglichen Arbeit des Literaturbüros besteht weiterhin in Beratung, sei es von Schreibenden (im Umgang mit Verlagen, bei der Suche nach Schreibgruppen), sei es von Veranstaltern (bei der Suche nach geeigneten Orten oder nach AutorInnen, die ein bestimmtes Anforderungsprofil erfüllen sollen). In vielen Fällen können wir weiterhelfen (aber mit der private Telefonnummer von Hellmuth Karasek können wir weiterhin nicht dienen). Wir bitten um Verständnis dafür, dass angesichts der dünnen Personaldecke des Büros (zwei Stellen) und der Vielzahl von auswärtigen Verpflichtungen wir nur zu folgenden Kernarbeitszeiten erreichbar sind: Mo-Do 10-13 und 14-17 Uhr. Dank sagen möchten wir an dieser Stelle allen erwähnten Kooperationspartnern sowie allen Praktikantinnen und Praktikanten, die im Jahr 1999 im Literaturbüro unentgeltlich, aber hochmotiviert mitgearbeitet haben und ohne die das geschilderte Programm nicht hätte realisiert werden können. |
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