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"Was macht eigentlich das Literaturbüro?"
Bericht über die Akltivitäten im Jahr 2000



Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde der Literatur,

gerne möchten wir Ihnen unsere Aktivitäten im vergangenen Jahr kurz vorstellen.
Auch im Jahr 2000 hatte unsere Arbeit fünf Schwerpunkte:

1. Die Vorstellung europäischer Autorinnen und Autoren
2. Die Vernetzung der Literaturszene
3. Die Präsentation von Literatur in ungewöhnlichen Zusammenhängen
4. Die Förderung der regionalen Literaturszene
5. Die Weiterbildung und Beratung von Autorinnen und Autoren


1. Vorstellung europäischer Autorinnen und Autoren

Obwohl wir auch im Jahr 2000 wieder Schriftsteller aus einer Reihe von Ländern einladen
konnten (darunter aus der Schweiz, Dänemark und erstmalig auch aus Südafrika), wurde
dies doch von einem Großprojekt in den Schatten gestellt.
Seit 1998 stellt das Literaturbüro jährlich die Literatur des Gastlandes der Frankfurter
Buchmesse vor. Diesmal war diese Arbeit eingebettet in ein landesweites Projekt unter dem
Titel "Polen erlesen". Die polnische Regierung hat uin Zusammenarbeit mit der
nordrheinwestfälischen ein ungewöhnlich umfangreiches Lesungsprogramm auf die Beine
gestellt und perfekt durchgeführt. Wir waren auf dem Gebiet der Landeshauptstadt an einer
Vielzahl von Veranstaltungen beteiligt; unter anderem präsentierten wir Slawomir Mrozek
und Julia Hartwig, Ryszard Krynicki und Magdalena Tulli, Andrzej Stasiuk und Hanna Krall,
Stefan Chwin und Anna Bolecka, Natascha Goerke und Olga Tokarczuk. Anders als die
meisten Veranstalter haben wir bereits auf unseren literarischen Veranstaltungen im
Sommer damit begonnen, den Boden für die Rezeption dieser höchst interessanten Literatur
zu bereiten, nämlich in der "Nacht der Poeten" und auf dem "Literaturschiff".
Unsere Partner bei diesem Großprojekt waren das Polnische Institut, die Stiftung Kunst und
Kultur, das Kulturamt, das Düsseldorfer Schauspielhaus, das Gerhart-Hauptmann-Haus, das
Heinrich-Heine-Institut, das Eichendorff-Institut, die Buchhandlungen Bibabuze und Rudolf
Müller.

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2. Vernetzung der Literaturszene

Schon diese Liste zeigt, dass wir uns bemühen, verschiedene Partner zusammenzuführen
und auf diese Weise Aktivitäten zu koordinieren und zu bündeln.
Ein weiteres Mittel dazu ist unser monatlich erscheinender Literaturkalender. Er
dokumentiert so vollständig wie möglich die literarischen Aktivitäten in der
Landeshauptstadt: Lesungen, Diskussionen, Austellungen. In manchen Monaten sind das bis
zu 90 Termine. Der Kalender erscheint in einer Auflage von 5.000 Exemplaren und liegt an 89
Stellen im Stadtgebiet zum kostenlosen Mitnehmen aus; Interessierte können ihn - gegen
Begleichung der Kosten - auch postalisch beziehen.
Wir verstehen diesen Literaturkalender nicht nur als Service für das lesungshungrige
Publikum, sondern auch als Förderung für die Autoren und die Veranstalter, auf deren
Termine wir hinweisen. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich durch Anmzeigen.

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3. Präsentation von Literatur in ungewöhnlichen Zusammenhängen

Um neue Leserkreise zu erschließen, haben wir erneut Literatur an Orten und in Medien
vorgestellt, wo sie üblicherweise nicht anzutreffen ist.

a) Unser Literaturschiff, das alljährlich während des Bücherbummels in See sticht, war auch
diesmal ausverkauft, und das, obwohl wir mit der Vorstellung polnisxcher Literatur sicher
keine leichte Kost gewählt hatten ( Dank an die Sponsoren: Kulturamt, Stiftung Kunst und
Kultur, Stadtwerke). Auch auf der Leipziger Buchmesse fand unser Bericht über unsere
literarischen Rheinfahrten großen Anklang.

b) Durch unsere Vermittlung erschienen auch im Jahr 2000 jeden Monat Exklusivtexte von
renommierten Schriftstellern in der Obdachlosenzeitung fifty-fifty.

c) Nach langer Pause haben wir die Aktion "Litfass-Literatur" wiederbeleben können, mit
denen der Düsseldorfer Autor Niklas Stiller Anfang der 80er Jahre Maßstäbe gesetzt
hatte.Mehrmals jährlich hängen nun wieder Plakate an jeweils 300 Säulen im Stadtgebiet,
auf denen Gedichte von Düsseldorfer Lyrikerinnen und Lyrikern den staunenden Passanten
begegnen (Dank an die Stadtwerke, das Kulturamt und die Firma Außenwerbung Zacharias).

d) Literatur im öffentlichen Raum zu präsentieren - das war auch Ziel unserer
außergewöhnlich erfolgreichen Aktion "Haiku-Autos". Wir stellten den Düsseldorfer
Autofahrern Folien mit japanischen Gedichten zur Verfügung, die sie an ihre Türen kleben
konnten. Die 500 Exemplare waren in wenigen Tagen vergriffen, so dass nachgedruckt
werden musste. Unsere Partner beid dieser Aktion waren das Goethe-Institut und das
Japanische Generalkonsulat.

e) Ungewöhnlich war sicher auch der Ort für das literarische Begleitprogramm, das wir für
die Tonhalle realisierten: die Rotunde.Ungewöhnlich waren sicher auch die vielen privaten
Spielstätten, an denen während der "6-Tage-Oper" Lesungen mit Autoren stattfanden, die
das Literaturbüro den Veranstaltern vorgeschlagen hatte. Ungewöhnlich war auch eine
Zahnarztpraxis als Ort für eine Hörspielpräsentation (Partner: WDR).

f) Ungewöhnlich und höchst erfolgreich war vor allem unsere innovatove Reihe
"Korrespondenzen" . Die Vielfalt und Qualität der niederrheinischen Museen war für uns
erneut Anlass, nach Schreibenden zu suchen, deren Texte zu den ständigen Sammlungen
oder Sonderausstellungen in einem spannungsvollen Verhältnis stehen. U. a. lasen Cees
Nooteboom im Museum Kurhaus Kleve (vor 270 Gästen), Oscar Heym auf Schloß Moyland
und Christine Kaufmann im Textilmuseum Krefeld. Das von Dr. Thomas Hoeps geleitete
Projekt wurde vom Landschaftsverband Rheinland, dem Ministerium für Städtebau und
Wohnen, Kultur und Sport, sowie den beteiligten Museen unterstützt.

g) Im Auftrag der Landesregierung erarbeiteten wir ein Internetprojekt, das unter dem Titel
"Storyliner" Lesende in Schreibende verwandeln sollte. Geschichten, die von
professionellen NRW-Autoren begonnen wurden, haben Nachwuchsautoren
weitergeschrieben; die besten Fortsetzungen wurden in Hannover auf der EXPO
ausgezeichnet.

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4. Förderung der regionalen Literaturszene

a) Im Herbst organisierten wir erneut die "Niederrheinischen Literaturkonzerte";
preisgekrönte Autoren vom Niederrhein und aus den Niederlanden gingen gemeinsam mit
einem international renommierten Musiker auf Tour, um dem Publikum in der Region ein
Gesamtkunstwerk vorzustellen.
H.M. van den Bronk aus Amsterdam, Markus Orths aus Viersen; Matthias Schamp und
Sebastian Pottmeier aus Krefeld traten gemeinsam an sechs Orten auf; neben den
beteiligten Kommunen haben sich auch der Landschaftsverband, das Generalkonsulat der
Niederlande, das KUlturministerium NRW und der Nederlands Literair Produktie- en
Vertalingenfonds Amsterdam an den Kosten beteiligt.

b) Im monatlichen Wechsel waren am Literaturtelefon wieder Autorinnen und Autoren aus
Düsseldorf zu hören; darüberhinaus wurden diese zwölf auch kurz im jeweiligen
Literaturkalender vorgestellt.

c) In und mit dem ZAKK organisierten wir die "2. Düsseldorfer Dichternacht"; in großer Zahl
stellten die Schreibenden sich und einander dem Publikum vor.

d) Am selben Ort präsentierten wir zusammen mi dem Verband der Schriftsteller auf zwei
Matineen, Düsseldorfer Autorinnen und Autoren mit europäischen Wurzeln unter dem Titel
"Die Düssel fließt in Europa".

e) Eine neue Reihe haben wir gemeinsam mit der Zentralbibliothek realisiert; unter dem Titel
"Frisch gepresst" stellen wir monatlich Neuerscheinungen von Düsseldorfer Autoren oder
aus Düsseldorfer Verlagen vor. Die Reihe, die auch vom Freundeskreis derStadtbüchereien
unterstützt wird, hat mittlerweile ein festes und erfreulich großes Stammpublikum gefunden.

f) Zusammen mit der Heine-Universität haben wir Lesungen veranstaltet, auf denen
studentische Nachwuchsschriftsteller gemeinsam mit bereits erfolgreichen Kollegen
auftraten. Titel der Reihe im Gewächshaus des Botanischen Gartens:"Wildwuchs/Junge
Triebe".

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5.Weiterbildung und Beratung von Autorinnen und Autoren

In Zusammenarbeit mit den anderen nordrhein-westfälischen Literaturbüros in Detmold,
Gladbeck und Unna erstellen wir jährlich ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm für
Autorinnen und Autoren. Workshops und Tagesseminare bieten die Möglichkeit, sich auf ser
unterschiedlichen Gebieten zu professionalisieren. Das Programm aller Büros wird in einem
Faltblatt aufgeführt, das jährlich im Februar erscheint.

Zusätzlch zu diesen Arbeitsschwerpunkten standen im Jahr 2000 noch zwei Feiern an: im
April konnten wir im Heine-Institut den 80. Geburtstag von Lore Schaumann begehen, die
zusammen mit Rolfrafael Schröer das Büro gegründet und lange Jahre geleitet hat. Den
Geburtstag des Literaturbüros selbst ( den 20. ) feierten wir dann im November mit 200
Gästen im Stadtmuseum. Zu diesem Anlass erschien auch eine kleine Festschrift ( von der
noch einige wenige Restexemplare erhältlich sind).

Übrigens: Das Jahr 2000 war für das Literaturbüro auch in der öffebtlichen Wahrnehmung
ein überaus erfolgreiches Jahr. Mit einer Reihe von Projekten ist es uns gelungen, regionale
und überregionale Aufmerksamkeit zu erzielen; Berichte über unsere Arbeit erschienen in
so unterschiedlichen Printmedien wie der "FAZ" und der "Prisma", der "Welt" und der "Welt
am Sonntag", darüberhinaus im WDR-Hörfunk ("Mosaik") und im WDR-Fernsehen ("Aktuelle
Stunde" und "Kulturzeit"). Dass das Literaturbüro NRW zudem zu den wenigen literarischen
Institutionen gehörte, die sich mit einem Projekt auf der EXPO vorstellen durften, gehört
auch zu den Erfolgen des letzten Jahres.

Wir bitten um Verständnis dafür, dass angesichts der dünnen Personaldecke des Büros
(zwei Stellen) und der Vielzahl von auswertigen Verpflichtungen, wir nur zu folgenden
Kernarbeitszeiten erreichbar sind:
Mo-Do 10-13 und 14-17 Uhr
Dank sagen möchten wir an dieser Stelle allen Kooperationspartnern sowie allen
Praktikantinnen und Praktikanten, die im Jahr 2000 unentgeltlich, aber hochmotiviert
mitgearbeitet haben und ohne die das geschilderte Programm nicht hätte realisiert werden
können.

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